Mächtiger Möchtegern am Persischen Golf International

Mächtiger Möchtegern am Persischen Golf


Die Führung des Emirats gibt ungewöhnliche Rätsel auf – Halbinsel wächst zu einem Finanzimperium zusammen – Demokratie? Was ist das?
Katar ist bekannt für seine Faszination, ist polarisierend und gilt als reich, märchenhaft, aber auch unverschlossen rätselhaft. Der „Möchtegern“ am Persischen Golf zählt zu den treibenden Kräften gegen Syriens Diktator Baschar al-Assad, hat gleichermassen genug gute Beziehungen zu Israel und Iran. Seit mehr als zehn Jahren beherbergt er das Hauptquartier der amerikanischen Truppen im Nahen Osten. Vor wenigen Wochen wurde es gleichzeitig ein Verbindungsbüro der afghanischen Taliban.

In der ganzen Welt suchen seine Emissäre, natürlich mit Milliardensummen, nach gewinnbringenden Industriebeteiligungen – angesehen Marken in jeder Sparte, Banken, innovative Zukunftstechniken und Umwelt-Know-How. Durch die enormen Gasangebote gehört das Golfemirat zu den reichsten Ländern weltweit, ist ein ökonomischer Riese und bleibt dennoch mit seinen 250.000 Einheimischen demografisch betrachtet ein kleines Land.

Der Schöpfer des modernen Emirates ist Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani. Innerhalb 1995 bis 2013 machte er aus der verschlafenen Halbinsel ein internationales Wirtschaftswunder. „Wenn eines Tages Gas und Öl erschöpft sind, werden wir nicht wieder zurück auf unsere Kamele steigen müssen“, scherzt er stets. Die imposante Hauptstadt Doha stieg zum globalen politischen Gastgeber auf, nicht nur hinsichtlich der Welthandelsrunde, sondern auch für die Opec, der Arabischen Liga und den Golf-Kooperationsrat.

Sogar wird in die arabischen Emirate im Jahre 2022 zum ersten Mal die Fussball Weltmeisterschaft hier ausgetragen, auch wenn es bisher noch Kritiken an dieser Vergabe gibt. Doch die westlichen Unternehmer stehen bereits in der Reihe, um an dem kostspieligen Wüstenspektakel etwas für sich zu gewinnen und mitzuverdienen. Insgesamt sind bereits neun Stadien geplant, die Arbeiten an dem Stadion, in denen das Endspiel stattfinden wird, ist schon in vollen Zügen. Ferner ist der kleine Staat gerade dabei, für über 40 Milliarden Dollar ein überaus komplettes Eisenbahn- und Metronetz auszubauen.

Mitte 2013 hatte Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani sein Posten in der Macht abgegeben. Im Nahen und Mittleren Osten hat er weiterhin eine staatsmännische Rarität. Nach einer Fernsehansprache und via königliches Dekret setzte er seinen 34-jährigen Sohn Tamim, seinen Viertgeborenen, auf dem Thron. „Der Emir ist davon überzeugt, dass er die nächste Generation fördern muss und die jungen Leute ins Kabinett berufen sollte“, hiess es im letzten Jahr in seiner Rücktrittsbegründung.

Demokratie braucht der Wechsel nicht. Katar hat kein Parlament und aus diesem Grunde auch keine Parteien, weder eine Zivilgesellschaft oder eine unabhängig Justiz. Auch aussenpolitisch gesehen hat Thronerbe Tamim bin Hamad al-Thani ein fragiles Erbe an sich genommen. In den westlichen Regionen des Emirates kam es durch den Umgang mit Arbeitern aus Bangladesch, Pakistan und Philippinen ein Misskredit für die WM-Grossbaustellen.

Bedauerlicherweise hat die arabische Welt in Katar wegen seiner Sympathie für die ägyptischen Muslimbrüder an Ansehen verloren. Bahrain, Saudi-Arabien, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate zogen demonstrativ ihre Botschafter aus der Hauptstadt ab. Der saudische König drohte sogar mit einer Seeblockade. Und somit machen sich die Untertanen des jungen katarischen Fürsten Sorgen über ihre bekannte Heimat. Denn viele wissen und befürchten, dass Katar längst in einer falschen internationalen Gewichtsklasse hineingeraten ist und eines Tages den Boden unter den Füssen entrissen bekommen könnte.


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